Aussagen des OB-Kandidaten treffen nicht zu
Lahnstein. In der Rhein-Lahn-Zeitung vom 13. Mai 2013 wird unter der Überschrift „ADAC-Experte erstellt für BI ein Gutachten“ über einen Ortstermin der Bürgerinitiative „Kontra Sondergewerbegebiet Hermsdorfer Straße“ berichtet. Bei diesem Treffen wirft der SPD-Oberbürgermeisterkandidat der Stadtverwaltung Lahnstein im Rahmen der damaligen Aufstellung des Bebauungsplanes „Gewerbepark Hermsdorfer Straße“ entscheidende Planungsfehler im Zusammenhang mit der Anbindung und Erschließung des Gewerbegebietes vor.
Er wird mit der Aussage zitiert, dass an der Stelle, an der sich jetzt schon Gewerbe angesiedelt hat, seinerzeit die Zufahrt in das Gebiet erfolgen sollte.
Diese Aussage ist nachweislich falsch!
Der sich jetzt in einem Änderungsverfahren befindliche Bebauungsplan „Gewerbepark Hermsdorfer Straße“ wurde in den Jahren 1996 bis 1999 aufgestellt und ist seit dem 26. November 1999 rechtskräftig.
Die Entwürfe für die Erschließung des Areals aber sind in den städtischen Gremien bereits schon früher, und zwar im Juni 1997 diskutiert wurden.
Damals wurden sogar vier verschiedene Varianten diskutiert. In drei dieser vier Fälle lag die Erschließungsstraße dort, wo sie anschließend in dem von den städtischen Gremien beschlossen Bebauungsplan fixiert wurde: unmittelbar östlich neben dem ehemaligen Sportplatz, also genau dort, wo sie übrigens auch heute noch geplant ist.
Die letzte, damals aber von den städtischen Beschlussgremien verworfene Variante, verschob die Erschließungsstraße in Richtung Osten und sie lag damit nur noch in einem Abstand von gut fünfzig Meter zu den Gärten der Theodor-Zais-Straße.
Bevor man der Stadtverwaltung öffentlich „entscheidende Planungsfehler“ vorwirft, um auf diese Weise auf „Stimmenfang“ zu gehen, sollte man sich zunächst einmal grundlegend informieren.
Wenn er der Stadtverwaltung Lahnstein so wenig zu- und auch vertraut und sich dort nicht entsprechend vorab informiert, so hätte er aber zumindest seine Parteigenossin, die Lahnsteiner SPD-Vorsitzende Laschet-Einig, fragen sollen. Denn deren Unterschrift ist als damals noch amtierende Bürgermeisterin der Stadt Lahnstein auf der Bekanntmachung des Satzungsbeschlusses für den „Gewerbepark Hermsdorfer Straße“ zu finden.
Im Übrigen war und ist es nach den Grundsätzen der parlamentarischen Demokratie so, dass die Parteien und nicht die Verwaltung für die politische Willens- und Meinungsbildung zuständig ist. Beschlüsse werden von der Politik gefasst, die Verwaltung führt dann diese Beschlüsse aus.
Wenn hier aber behauptet wird, die Stadtverwaltung habe hierbei mehrere entscheidende Planungsfehler begangen, dann sollten diese zum einen konkret benannt werden und zum anderen aber geht der Vorwurf auch an die falsche Adresse.
Die Planung wurde in mehreren Ausschüssen (Stadtentwicklungs-, Wirtschaftsförderungs-, Umwelt- und Bauauschuss) beraten und beschlossen. In allen hatte man sich mit den vier Varianten auseinandergesetzt - und im Stadtrat verlauteten die Fraktionen von SPD und CDU unisono Zustimmung zum Planungskonzept und der vorgesehenen Art der Erschließung. Die Fraktionsvertreter Georg Adler und Johannes Lauer sahen in dem vorgestellten Konzept "eine optimale Lösung für das topographisch nicht einfache Hanggelände". Dieses - und die drei weiteren Varianten - kannte Matthias Boller auch schon von seiner Teilnahme an der Sitzung des Umweltausschusses am 25. Juni 1997 und als Fragesteller in der Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung im November 1997, bei der er sich wegen Berücksichtigung der sogenannten "Umwelt-Checkliste" zu Wort meldete. Von mehreren Planungsfehlern sprachen sowohl er als auch seine Fraktionskollegen damals nicht.
Herr Boller war also zu diesem Zeitpunkt bereits in die Arbeit der städtischen Ausschüsse und der Fraktion mit eingebunden, er hat konkret hier mit beraten und entschieden und ihm ist seit 1997 bereits bekannt, dass die Zufahrt zum Gewerbepark nie an der Stelle vorgesehen war, an der bereits jetzt Gewerbe angesiedelt ist.
Trotzdem erklärt er – wider besseres Wissens – etwas anderes.
Um es nochmals deutlich zu sagen: eine Variante, wie jetzt vom SPD-Oberbürgermeisterkandidaten fälschlicherweise behauptet, die die Erschließungsstraße über die Fläche des ehemaligen Sportplatzes legte, gab es nachweislich nicht!